Krank und Arbeitslos - Was tun?

Krank und Arbeitslos – Was tun?

Ich war psychisch krank und arbeitslos. Ehrlich, das war ein sehr schlechtes Gefühl. 

Zusätzlich zur Sorge um die eigene Gesundheit kommt noch die Sorge ums Geld hinzu. Man fühlt sich sehr einsam und verzweifelt, wenn man ganz nach unten fällt. Aber es gibt ein Netz, das einen auffängt. 

Frage um Hilfe

Was sollte man zuerst tun? Nun, um Hilfe bitten. Frage in deiner Familie oder deinem Freundeskreis nach, ob dich jemand zum Arbeitsamt oder zum Jobcenter begleiten kann. So bist du nicht ganz alleine und hast Unterstützung. Ich spreche aus eigener Erfahrung: das Ausfüllen der Formulare kann echt schwer sein, wenn man gerade psychisch krank ist. Ich weiß, es fällt einem am Anfang schwer, um Hilfe zu bitten. Aber du hast sie verdient. Versuch nicht allzuviel drüber nachzudenken und frag um Hilfe.

Arbeitsamt und Jobcenter

Der Gang zum Arbeitsamt oder zum Jobcenter ist einfach wichtig, damit du regelmäßig Geld bekommst und etwas zum Leben hast. Ich weiß, die zeitraubende Vorgehensweise beim Amt ist eine Herausforderung für sich. Aber es geht nicht anders. 

Arztgespräche

Gleichzeitig solltest du, wenn du nicht schon hast, einen Termin beim Psychiater oder Arzt machen. 

Auch wenn du dich scheust, Medikamente zu nehmen, sie können in vielen Fällen den Unterschied machen. Ja, es dauert etwas bis sie wirken und bis man richtig eingestellt ist. Du kannst Psychiater bei Google suchen und dir dann die Bewertungen anschauen. So habe ich meine Psychiaterin gefunden. Ja, es gibt eine gewisse Scham, die viele Menschen fühlen, bevor sie zum Psychiater gehen. Denke daran, wenn dein Arm gebrochen wäre, würdest du auch nicht darüber nachdenken und zum Arzt gehen. Eine psychische Erkrankung ist eben das: eine Krankheit. Dafür gibt es heute viele Mittel, die dir helfen und dich stabilisieren können.

Die Wartezeiten auf einen Platz sind lang, ich weiß. Du kannst bei deiner Krankenkasse anrufen und um Hilfe bitten. Häufig vereinbaren sie für dich Termine beim Facharzt. Die Telefonnummer 116117 hilft dir außerdem, an einen Termin für einen Therapeuten zu kommen: https://www.eterminservice.de/terminservice

Eine Therapie bietet sich in den meisten Fällen an. Informiere dich bitte bei deiner Krankenkasse oder beim o.g. Terminservice, wie du einen Termin bekommen kannst.
Ansonsten kannst du deine Angehörigen oder Freunde bitten, dir einen Termin zu vereinbaren. Es ist oft einiges an Telefonieren notwendig, bis man einen Termin bekommt. Such dir daher Hilfe dabei, dann bist du nicht alleine. Bei einer Therapie hast du vor allem jemanden zum Reden, der sich damit auskennt. Gemeinsam könnt ihr entscheiden, ob der Gang zum Psychiater noch angemessen und wichtig ist. 

Die Deutsche Rentenversicherung

Bei der Deutschen Rentenversicherung kannst du außerdem zusätzlich eine Reha beantragen, wenn das für dich in Frage kommt. Ich habe eine Reha gemacht, und anschließend den Antrag für die Erwerbsminderungsrente gestellt. Es war ein langer Weg, aber er hat sich gelohnt. 

Wenn du schon länger krank bist oder deine Krankheit chronisch ist, kannst du einen Schwerbehindertenausweis beantragen. In Bayern ist das hier: https://www.zbfs.bayern.de/menschen_mit_behinderung/antrag_und_feststellungsverfahren/

Dies kann dir zusätzlich helfen und du bekommst zum Beispiel einen Steuerfreibetrag und Ermäßigungen in Schwimmbädern und anderen Einrichtungen.

Sozialpsychiatrischer Dienst

Was mir enorm geholfen hat, als ich krank und arbeitslos war, war der Sozialpsychiatrische Dienst. Ich habe damals in Frankfurt gewohnt, und diesen Dienst in Anspruch genommen: Bürgerhilfe Sozialpsychiatrie. Herr Distel hat mich beim Gang zum Amt begeleitet, mit mir Ausflüge ins Museum gemacht und mich beraten. Das kann enorm helfen, wenn ein Mensch von Außen, der sich damit auskennt, einen Blick auf deine Situation wift. Die Gespräche können entlasten und man bekommt Tipps, die man sonst nicht hört. 

Kreativität ausleben

Zusätzlich kann es dich seelisch entlasten, wenn du etwas Kreatives machst. Sei es Malen, Nähen oder Schreiben. Mir persönlich hilft das Schreiben sehr. So kann man alles auf dem Blatt abladen und kann hinterher viel klarer sehen und denken. In meinem *Artikel über Skills* habe ich dazu einiges geschrieben.

Mir hat in dieser Zeit auch meine Katze geholfen. Ein Haustier zu haben kann dich mehr entspannen und dir Kraft geben. Katzen sind einfach wie sie sind, sie verstellen sich nicht. Das färbt irgendwann auch auf den Menschen ab. Auch wenn Mimi als Kätzchen sehr anstrengend war (sie hat gekratzt, meine Füße gejagt, sich versteckt, ist hinter Schränke gekrochen und nicht wieder rausgekommen und war sehr frech), war sie doch eine treue Begleiterin auf meinem Weg. 

Ein Spaziergang draußen kann zusätzlich helfen, wenn du einen klaren Kopf gewinnen willst. Die frische Luft lässt dich auf neue Gedanken kommen. 

Auch wenn es schwer fällt, öffne dich deinen Freunden und deiner Familie gegenüber oder suche dir Hilfe von einer Sozialpsychiatrischen Beratung. Du bist nicht alleine.

Schale mit Kirschzweig Blogartikel Art of Coming Back

Notfallrufnummern

Wenn du aber wirklich dringend Hilfe brauchst, dann zögere nicht, eine dieser Nummern anzurufen:

Ärztliche Bereitschaft: 116117
Seelsorge: 0800 111 0 111
Kinderschutz: 030 61 00 66
Tier-Notdienst: 0170 74 19 908
Erwachsene, die sich um Kinder sorgen: 0800 111 0 550
Polizei: 110
Feuerwehr: 112
Gewalt gegen Frauen: 0800 116 016
Info-Telefon Depression: 0800 33 44 533
SeeleFon: 0228 7100 2424
Hotline für Alleinerziehende: 0201 82774 799

Ich weiß, dass man sich in so einem Fall lieber zurückziehen will, aber den Kopf in den Sand zu stecken hilft leider überhaupt nicht. Du brauchst genug Geld zum Leben und es gibt Hilfe für dich. Wende dich an die Sozialpsychiatrie deiner Stadt, deine Krankenkasse oder an einer der Telefonnummern oben, wenn du glaubst, es gibt niemanden in deiner Nähe, der dir helfen kann.

Bitte verzweifle nicht. Du bist nicht alleine. Es gibt so viele Menschen in deiner Situation. Es gibt Menschen, die dafür arbeiten, um dir helfen zu können, mit deiner Situation besser umzugehen. Es gibt in Deutschland ein Netz für solche Fälle. Damit können wir uns glücklich schätzen, denn in ärmeren Ländern gibt es so etwa nicht. Die Menschen dort sind vollkommen auf ihre Familie angewiesen. Nutze also dieses Netz.

Die Erfahrung, die ich gemacht habe, ist, dass wenn man ganz unten ist es auch irgendwie weitergeht. Suche nach der Lösung für dein Problem. Ja, es ist sehr schwer, psychisch krank zu sein, ich weiß. Verliere trotzdem den Mut nicht. Du packst das!

Hier sind noch hilfreiche Portale und Websites, auf denen du zusätzlich Hilfe findest:

https://depressionsliga.de/
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/start
https://www.caritas.de/hilfeundberatung/ratgeber/krankheit/behandlungundpflege/depression-erkennen-und-behandeln
https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/psychologie/selbsthilfe-bei-depression-was-kann-man-tun/

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